Husten bei Igeln kann verschiedene Ursachen haben. Häufig steckt ein Befall mit Lungenwürmern oder Lungenhaarwürmern dahinter. Diese Parasiten kommen bei freilebenden Igeln relativ häufig vor. Ein ansonsten gesunder und kräftiger Igel kann mit einem mäßigen Parasitenbefall durchaus zurechtkommen – Husten allein bedeutet daher nicht automatisch, dass der Igel aufgenommen werden muss.
Wenn es möglich ist, sollte der betreffende Igel einmal genauer beobachtet und sein Allgemeinzustand beurteilt werden.
Besondere Aufmerksamkeit ist geboten, wenn zusätzlich zum Husten weitere Auffälligkeiten auftreten, zum Beispiel:
- deutlich rasselnde oder erschwerte Atmung
- Abmagerung oder eingefallene Körperform
- auffällige Tagaktivität oder orientierungsloses Umherlaufen
- Schleim oder Ausfluss aus der Nase
- Durchfall
- Schwäche oder apathisches Verhalten
Treten solche Symptome auf, ist der Igel hilfsbedürftig. Er sollte gesichert und zeitnah einer Igelpflegestelle bzw. einem igelkundigen Tierarzt vorgestellt werden, damit die Ursache abgeklärt und gegebenenfalls gezielt behandelt werden kann.
Bitte keine Entwurmungsmittel oder andere Medikamente auf eigene Faust verabreichen. Eine Behandlung sollte immer auf den Zustand des Igels und den festgestellten Parasitenbefall abgestimmt werden.
Husten allein ist nicht zwangsläufig ein Notfall. Husten in Verbindung mit einem schlechten Allgemeinzustand sollte jedoch unbedingt ernst genommen werden.
Gerade im Oktober ist die Situation bei sehr kleinen Jungigeln nicht immer eindeutig. Manche Igel werden erst im September geboren und können zu dieser Zeit noch gemeinsam mit ihren Geschwistern unterwegs sein. Der Familienverband besteht in der Regel etwa sechs Wochen, bevor sich die Jungtiere zunehmend selbstständig versorgen müssen.
Werden mehrere kleine Igel gemeinsam gefunden, können sie durchaus noch Wurfgeschwister sein. Besonders in kalten Nächten liegen Jungigel häufig eng beieinander und wärmen sich gegenseitig. Sind die Tiere ansonsten gesund und unauffällig, kann eine unterstützende Fütterung im Garten helfen, damit sie vor dem Winter noch ausreichend Gewicht zulegen.
Besondere Aufmerksamkeit ist jedoch geboten, wenn ein sehr kleiner Jungigel allein und insbesondere tagsüber unterwegs ist. Ein Tier mit etwa 200 g oder weniger kann zu dieser Jahreszeit bereits ausgekühlt oder geschwächt sein. Die aufgenommene Energie wird dann möglicherweise überwiegend dafür benötigt, die Körpertemperatur aufrechtzuerhalten, anstatt an Gewicht zuzulegen.
Ein solcher Jungigel sollte gesichert, vorsichtig gewärmt und zeitnah fachkundig beurteilt werden. Bitte schnellstmöglich Kontakt zu einer Igelpflegestelle oder einem igelkundigen Tierarzt aufnehmen. Je nach Alter und Entwicklungsstand kann eine besondere Versorgung notwendig sein.
Wichtig: Wird ein einzelner sehr kleiner Jungigel gefunden, sollte die nähere Umgebung unbedingt auch nach weiteren Geschwistern abgesucht werden. Häufig befindet sich nicht nur ein Jungtier in Schwierigkeiten.
Im Zweifel lieber einmal mehr fachkundigen Rat einholen, bevor ein sehr kleiner Jungigel sich selbst überlassen wird.
Die meisten Igel-Säuglinge kommen zwischen Ende Juli und Anfang September zur Welt. In den ersten Lebenswochen sind sie vollständig auf ihre Mutter angewiesen. Tagsüber befindet sich die Igelmutter normalerweise bei ihrem Nachwuchs im Nest und säugt die Kleinen. Nachts verlässt sie das Nest zur Nahrungssuche und kann dabei – abhängig vom Alter der Jungen – auch längere Zeit unterwegs sein.
Wann brauchen Igel-Säuglinge sofort Hilfe?
Sofortiges Handeln ist notwendig, wenn Igel-Säuglinge:
- außerhalb des Nestes gefunden werden,
- offensichtlich nach ihrer Mutter suchen oder laut nach ihr rufen,
- sich kalt oder unterkühlt anfühlen,
- von Fliegen umschwärmt werden oder
- Fliegeneier bzw. Maden aufweisen.
Die Kleinen sollten vorsichtig eingesammelt und umgehend gewärmt werden. Dafür eignet sich beispielsweise eine handwarme Wärmflasche, die mit einem Handtuch abgedeckt wird. Fliegeneier sollten vorsichtig abgesammelt werden.
Anschließend bitte unverzüglich eine erfahrene Igelpflegestelle oder einen igelkundigen Tierarzt kontaktieren.
Bitte nicht eigenständig füttern!
Igel-Säuglinge benötigen spezielle Aufzuchtmilch und eine fachgerechte Versorgung. Kuhmilch ist absolut ungeeignet, da Igel laktoseintolerant sind. Auch Wasser sollte den Säuglingen nicht eingeflößt werden – hierbei besteht unter anderem die Gefahr, dass Flüssigkeit in die Atemwege gelangt.
Die Handaufzucht von Igel-Säuglingen ist sehr anspruchsvoll, zeitintensiv und sollte möglichst von erfahrenen Fachleuten übernommen werden.
Die Säuglinge liegen im Nest, aber die Mutter ist nicht da?
Werden Igel-Säuglinge beispielsweise bei Gartenarbeiten allein in einem Nest entdeckt, bedeutet das nicht automatisch, dass sie verlassen wurden.
Das Nest möglichst nicht weiter stören, nicht zerstören und keinesfalls an einen anderen Ort versetzen. Die Umgebung anschließend verlassen und aus ausreichender Entfernung beobachten bzw. der Mutter die Möglichkeit geben, ungestört zurückzukehren.
In vielen Fällen befindet sie sich noch in der Nähe und kehrt zu ihrem Nachwuchs zurück.
Erst wenn nach etwa zwei Stunden keine Mutter zurückgekehrt ist, sollte fachkundiger Rat eingeholt und gegebenenfalls eingegriffen werden. Sind die Kleinen allerdings bereits kalt, geschwächt, verletzt oder von Fliegen bzw. Maden befallen, sollte nicht abgewartet werden.
Ab wann sind junge Igel selbstständig?
In den ersten Lebenswochen ernähren sich Igel-Säuglinge von der Muttermilch. Sobald sie beginnen, selbstständig feste Nahrung aufzunehmen, werden sie zunehmend zu Jungigeln.
Mit ungefähr vier bis fünf Wochen verlassen sie erstmals das Nest und erkunden dessen nähere Umgebung. Insgesamt werden sie etwa sechs Wochen gesäugt. Mit ungefähr sechs bis sieben Wochen sind die Jungigel schließlich weitgehend selbstständig und nicht mehr auf die Versorgung durch ihre Mutter angewiesen.
Bei Igel-Säuglingen gilt: Im Notfall zuerst wärmen und anschließend schnellstmöglich fachkundige Hilfe kontaktieren – niemals auf eigene Faust mit Kuhmilch oder Wasser füttern.
Grundsätzlich ja – es ist nicht verboten, einen Igel anzufassen. Trotzdem sollte man Igel möglichst nicht mit bloßen Händen berühren, außer wenn Hilfe wirklich notwendig ist, etwa bei verletzten, kranken oder geschwächten Tieren.
Gesundheitsrisiken für Menschen
Igel sind Wildtiere und können Parasiten, Pilze oder Krankheitserreger tragen, die auch auf Menschen oder Haustiere übertragen werden können. Dazu gehören unter anderem:
- Hautpilze (Dermatophyten): Igel tragen relativ häufig Hautpilze, die beim Menschen ansteckende Hautinfektionen verursachen können. Typisch sind juckende, gerötete oder schuppige Hautstellen.
- Zoonosen: Das sind Krankheiten, die zwischen Tier und Mensch übertragen werden können. Bei Igeln können dazu beispielsweise bestimmte Bakterien wie Salmonellen gehören.
- Parasiten: Flöhe, Zecken und Milben können vom Igel auf andere Tiere oder in seltenen Fällen auch auf Menschen übergehen.
Das Risiko steigt besonders:
- bei engem oder häufigem Kontakt,
- wenn der Igel krank wirkt,
- bei offenen Wunden oder geschwächtem Immunsystem,
- und wenn Kinder den Igel anfassen.
Deshalb wird empfohlen
- möglichst Handschuhe zu tragen,
- direkten Hautkontakt zu vermeiden,
- Igel nicht unnötig in Wohnräume zu bringen,
- Hände und eventuell benutzte Kleidung danach gründlich zu reinigen,
- Haustiere von aufgenommenen Igeln fernzuhalten.
Wohl des Igels beachten
Auch für den Igel bedeutet Anfassen meist Stress. Wildtiere sollten deshalb nicht aus Neugier hochgehoben oder gestreichelt werden. Ein gesunder Igel, der nachts unterwegs ist, benötigt normalerweise keine Hilfe.
Besonders vorsichtig sollte man bei Jungtieren oder Nestern sein. Werden Jungigel unnötig gestört oder aus dem Nest genommen, kann das die Aufzucht gefährden.
Nein. Nicht jeder Tierarzt kennt sich mit Wildtieren und insbesondere mit Igeln ausreichend aus. Die Behandlung von Igeln unterscheidet sich in wichtigen Punkten von der Behandlung unserer Haustiere.
Ein falsches Medikament oder eine ungeeignete Dosierung kann für einen Igel schwerwiegende oder sogar tödliche Folgen haben. Zum Beispiel dürfen viele Spot-on-Präparate gegen Flöhe, die bei Haustieren eingesetzt werden, bei Igeln nicht verwendet werden.
Wende dich deshalb am besten zuerst an eine fachkundige Igelhilfe oder Igelstation vor Ort. Dort kann man den Zustand des Igels einschätzen und dir einen Tierarzt empfehlen, der Erfahrung mit der Behandlung von Igeln hat.
In der Regel nein. Igelnester sollten nicht geöffnet, umgesetzt oder entfernt werden, solange keine akute Gefahr besteht oder keine fachliche Hilfe notwendig ist. Igel sind geschützte Wildtiere und ihre Nester dienen oft als Schlaf-, Winter- oder Aufzuchtplatz.
Warum ein Eingriff problematisch sein kann
Ein Igelnest wirkt von außen oft verlassen, obwohl sich darin ein schlafender Igel oder Jungtiere befinden. Besonders zwischen Frühjahr und Spätsommer können sich darin Muttertiere mit Nachwuchs aufhalten. Wird das Nest geöffnet oder entfernt, können die Jungtiere auskühlen, verhungern oder von der Mutter verlassen werden.
Auch im Herbst und Winter ist Vorsicht wichtig: Winterschlafnester dürfen keinesfalls gestört werden. Ein geweckter Igel verbraucht sehr viel Energie und kann dadurch den Winter nicht überleben.
Rechtliche Aspekte
Igel stehen in Deutschland unter besonderem Schutz. Nach dem Bundesnaturschutzgesetz ist es verboten, wildlebende Tiere ohne vernünftigen Grund zu stören, zu verletzen oder ihre Lebensstätten zu beeinträchtigen. Dazu können auch belegte Nester gehören.
Das bedeutet:
- Ein Nest darf nicht einfach entfernt werden, nur weil es bei Gartenarbeiten stört.
- Vor Umgestaltungen sollte immer geprüft werden, ob das Nest tatsächlich unbewohnt ist.
- Bei belegten Nestern sollten Arbeiten möglichst verschoben werden.
Was tun bei Gartenarbeiten?
Wenn du einen Bereich umgestalten möchtest:
- prüfe das Nest vorsichtig nur äußerlich,
- vermeide starke Erschütterungen oder Lärm,
- führe größere Arbeiten möglichst außerhalb der Hauptaktivitäts- und Brutzeiten durch,
- lasse ein belegtes Nest möglichst unangetastet.
Im Zweifel sollte eine Wildtierhilfe oder die Untere Naturschutzbehörde eingeschaltet werden.
Was tun, wenn du einen kranken Igel vermutest?
Besteht der Verdacht, dass sich ein verletzter oder kranker Igel im Nest befindet, darf vorsichtig kontrolliert werden – aber nur so schonend wie möglich. Dabei sollte bedacht werden:
- Muttertiere könnten ihre Jungen kurzfristig alleine lassen,
- Jungtiere reagieren empfindlich auf Kälte und Stress,
- unnötiges Öffnen verursacht erheblichen Stress für Wildtiere.
Am besten kontaktierst du vorab eine Igelstation, Wildtierhilfe oder einen Tierarzt mit Wildtiererfahrung. Dort kann man einschätzen, ob ein Eingreifen notwendig ist und wie dabei möglichst schonend vorzugehen ist.
Nein – in den meisten Fällen solltest du einen Igel nicht einfach einfangen und an einem anderen Ort aussetzen. Igel sind Wildtiere mit festen Revieren und orientieren sich sehr genau in ihrer Umgebung. Ein Umsetzen bedeutet für den Igel großen Stress und kann sogar lebensgefährlich sein.
Rechtlich sind Igel in Deutschland besonders geschützt. Das bedeutet: Sie dürfen nicht ohne vernünftigen Grund gefangen, verletzt oder aus der Natur entnommen werden. Ein bloßes „Nicht-im-Garten-haben-wollen“ reicht dafür normalerweise nicht aus. Besonders problematisch ist es, wenn der Igel weit entfernt ausgesetzt wird oder dort ungeeignete Bedingungen vorfindet.
Außerdem besteht die Gefahr, dass Jungtiere betroffen sind. Vor allem zwischen Frühjahr und Herbst können Igelmütter Nachwuchs in Nestern unter Hecken, Holzstapeln oder Gartenhäusern verstecken. Wird die Mutter umgesetzt, bleiben die Jungtiere oft hilflos zurück und verhungern.
Auch für die Natur ist das Umsetzen problematisch: Igel kennen in ihrem Revier Futterstellen, Verstecke und sichere Wege. In einer fremden Umgebung finden sie sich häufig schlecht zurecht, geraten eher in Gefahr durch Straßenverkehr oder andere Tiere und haben schlechtere Überlebenschancen.
Wenn du möglichst wenig Kontakt mit Igeln im Garten haben möchtest, solltest du stattdessen den Garten weniger attraktiv für sie gestalten – zum Beispiel keine offenen Futterquellen anbieten und unzugängliche Rückzugsorte vermeiden. Wichtig ist aber: Bereits vorhandene Nester oder belegte Unterschlüpfe dürfen nicht einfach entfernt werden, solange Tiere darin leben.
