Du hast einen Igel gefunden?

Wenn du einen Igel gefunden hast, ist jetzt vor allem eines wichtig: Ruhe bewahren und die Situation richtig einschätzen.

Nicht jeder Igel benötigt Hilfe. Viele Tiere sind gesund und sollten in ihrer natürlichen Umgebung bleiben. Gleichzeitig gibt es Situationen, in denen schnelles Handeln notwendig ist – zum Beispiel bei verletzten, geschwächten oder unterkühlten Igeln.

Die erste und wichtigste Aufgabe ist daher die richtige Einschätzung:
Handelt es sich um einen gesunden Igel oder um ein hilfsbedürftiges Tier?

Auf dieser Seite erfährst du, woran du den Zustand eines Igels erkennst, wie du ihn im Notfall richtig sicherst, was du unbedingt beachten solltest und wann professionelle Hilfe notwendig ist.

Gesund oder hilfsbedürftig?

Erste Einschätzung eines Fundigels

Gesunder Igel

- guter Allgemeinzustand -

  • nachts aktiv (ab Einbruch der Dämmerung)
  • frisst und trinkt selbstständig, zeigt Appetit
  • lebhaft und aufmerksam (bildet eine feste Stachelkugel)
  • reagiert deutlich auf Berührungen/Reize und rollt sich ein
  • typischer Eigengeruch eines Igels
  • altersgerechtes Gewicht (bei Alt- und Jungigeln)
  • rundliche, birnenförmige Körperform
  • dicht anliegendes Stachelkleid
  • keine kahlen Stellen an Haut, Bauch oder Stacheln
  • klare, glänzende Augen
  • feuchte Nase
  • unauffälliges Gebiss
  • nur wenige äußere Parasiten
  • keine sichtbaren Verletzungen
  • normale Körpertemperatur (ca. 36 °C)
  • ruhige, normale Atmung
  • gute Körperspannung
  • sicherer, stabiler Gang

Hilfsbedürftiger Igel

- schlechter Allgemeinzustand -

  • tagsüber unterwegs (außer bei Störung)
  • verweigert Nahrung
  • wirkt apathisch, schwach oder bewegungslos
  • schwache Reaktionen, rollt sich kaum ein
  • unangenehmer Geruch (z. B. nach Eiter oder Kot)
  • deutlich untergewichtig (bei Alt- und Jungigeln)
  • eingefallener Körper mit sichtbaren Hungerfalten im Nacken
  • lückenhaftes oder zu großes Stachelkleid
  • kahle Stellen oder Verlust von Fell/Stacheln
  • eingefallene, verklebte oder geschlossene Augen
  • lockere oder schlechte Zähne / Zahnstein
  • starker Parasitenbefall
  • Fliegeneier oder Madenbefall (oft kleine Reisähnliche gelbliche Eier)
  • verletzt (z. B. hinkend oder blutend)
  • unterkühlt (Bauch fühlt sich kälter als die eigene Hand an)
  • auffällige Atemgeräusche, Husten oder Röcheln
  • Körper fühlt sich weich/schlapp an
  • unsicherer oder schwankender Gang

Wenn du dir unsicher bist und aus Wolfsburg und Umgebung kommst, scanne einfach den QR-Code und melde dich in der WhatsApp Notfallgruppe vom Stachelschutz Wolfsburg.

Unterscheidungsmerkmale Jungigel und Altigel

Selbstständige Jungigel

- Normalgewicht bis etwa 500 g
- Körperlänge bis ca. 20 cm
- meist dunkleres Stachelkleid (schwarz- / graubraun)
- im Verhältnis zum Körper größer wirkender Kopf

Altigel

- Normalgewicht um 1000 g
- Körperlänge über ca. 20 cm
- Stachelkleid oft mit Gelbstich
- Häufiger abgenutzte oder schlechtere Zähne

WhatsApp Notfallgruppe Stachelschutz Wolfsburg

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Wenn du den QR-Code scannst oder anklickst, gelangst du direkt zur WhatsApp-Notfallgruppe vom Stachelschutz Wolfsburg.

Damit wir schnell helfen können, teile dort bitte folgende Informationen mit:

  • Was hast du entdeckt?
  • Ist der Igel verletzt?
  • Wo hast du den Igel gefunden?
  • Ist der Igel gesichert oder noch frei?

Bitte sende außerdem, wenn möglich, 1-2 Fotos des Igels, auf denen sein Zustand gut erkennbar ist. So kann die Situation besser eingeschätzt werden und du erhältst schneller die passende Hilfe.

Igel sichern und unterbringen

1. Igel sicher aufnehmen

Den Igel vorsichtig mit einem Handtuch aufnehmen oder zum Schutz geeignete Handschuhe tragen.

2. Igel gründlich untersuchen

Den Igel sorgfältig auf sichtbare Verletzungen sowie auf Fliegeneier oder vorhandene Maden untersuchen.

3. Körperwärme überprüfen

Vorsichtig mit der Hand prüfen, ob sich der Bauch des Igels angenehm warm anfühlt.

4. Igel sicher unterbringen

Den Igel in einer geeigneten Box mit mindestens 40 cm hohen Seitenwänden sicher unterbringen.

5. Wasser bereitstellen

Dem Igel immer frisches Wasser in einer flachen und standsicheren Schale zur Verfügung stellen.

6. Igel langsam wärmen

Ist der Bauch kälter als die Hand, eine lauwarme, eingewickelte Wärmflasche als Wärmequelle anbieten.

Do's & Don'ts

Das darfst du machen...

  • Igel warm halten
    Geschwächte oder unterkühlte Igel verlieren schnell Körperwärme. Lege eine handwarme Wärmflasche oder ein warmes Körnerkissen unter eine Hälfte des Kartons, damit der Igel selbst wählen kann, ob er Wärme benötigt.
  • Ruhig und stressfrei unterbringen
    Setze den Igel in einen hohen Karton mit Zeitung oder Handtüchern als Unterlage und stelle ihn an einen ruhigen, geschützten Ort.
  • Wasser bereitstellen
    Stelle immer eine flache Schale mit frischem Wasser bereit.
  • Zustand dokumentieren
    Falls Verletzungen sichtbar sind oder der Igel auffälliges Verhalten zeigt, mache Fotos oder notiere Beobachtungen. Das hilft einer Pflegestelle oder einem Tierarzt.
  • Schnell Igelstation / Pflegestelle kontaktieren
    Wende dich möglichst zeitnah an eine Igelhilfe, Wildtierstation oder einen wildtierkundigen Tierarzt.
  • Nur nach Absprache geeignetes Futter geben
    Wenn professionelle Hilfe nicht sofort erreichbar ist und der Igel stabil wirkt:

    - hochwertiges Katzen-Nassfutter
    - ungewürztes Rührei
    - spezielles Igelfutter

    - Katzenfutter (ohne Soße, Gelee oder Getreide mit mindestens 60% Fleischanteil)

Das darfst du nicht machen...

  • Keine Milch geben
    Igel vertragen keine Milch. Sie kann zu schweren Verdauungsproblemen führen.
  • Kein Brot, Obst oder Essensreste füttern
    Diese Nahrung ist ungeeignet und kann gesundheitliche Probleme verursachen.
  • Kein industrielles Igelfutter geben
    Viele handelsübliche Igelfutter-Produkte enthalten ungeeignete Bestandteile wie Früchte, Nüsse, Getreide oder pflanzliche Zusätze. Der Igel ist jedoch ein Insektenfresser und kann diese Inhaltsstoffe nur schlecht oder gar nicht verdauen.
    Das kann zu Verdauungsproblemen, Mangelerscheinungen und weiteren gesundheitlichen Komplikationen führen.
    Im Notfall ist hochwertiges Katzenfutter deutlich besser geeignet, bis eine Pflegestelle oder fachkundige Hilfe übernommen hat.
  • Keine Medikamente
    Bitte keine Schmerzmittel, Salben, Entwurmungsmittel oder andere Medikamente eigenständig geben. Viele Präparate sind für Igel ungeeignet oder müssen individuell dosiert werden.
  • Keine Spot-ons verwenden
    Floh- oder Parasitenmittel für Hunde und Katzen (Spot-ons) können für Igel lebensgefährlich sein. Parasitenbehandlungen sollten ausschließlich von fachkundigen Stellen durchgeführt werden.
  • Gesunde Igel nicht dauerhaft behalten
    Wenn sich herausstellt, dass der Igel gesund ist, muss er wieder freigelassen werden. Das regeln §44 und §45 des Bundesnaturschutzgesetzes.

Häufig gestellte Fragen

Ich höre einen Igel im Garten husten. Was kann ich tun?

Husten bei Igeln kann verschiedene Ursachen haben. Häufig steckt ein Befall mit Lungenwürmern oder Lungenhaarwürmern dahinter. Diese Parasiten kommen bei freilebenden Igeln relativ häufig vor. Ein ansonsten gesunder und kräftiger Igel kann mit einem mäßigen Parasitenbefall durchaus zurechtkommen – Husten allein bedeutet daher nicht automatisch, dass der Igel aufgenommen werden muss.

Wenn es möglich ist, sollte der betreffende Igel einmal genauer beobachtet und sein Allgemeinzustand beurteilt werden.

Besondere Aufmerksamkeit ist geboten, wenn zusätzlich zum Husten weitere Auffälligkeiten auftreten, zum Beispiel:

  • deutlich rasselnde oder erschwerte Atmung
  • Abmagerung oder eingefallene Körperform
  • auffällige Tagaktivität oder orientierungsloses Umherlaufen
  • Schleim oder Ausfluss aus der Nase
  • Durchfall
  • Schwäche oder apathisches Verhalten

Treten solche Symptome auf, ist der Igel hilfsbedürftig. Er sollte gesichert und zeitnah einer Igelpflegestelle bzw. einem igelkundigen Tierarzt vorgestellt werden, damit die Ursache abgeklärt und gegebenenfalls gezielt behandelt werden kann.

Bitte keine Entwurmungsmittel oder andere Medikamente auf eigene Faust verabreichen. Eine Behandlung sollte immer auf den Zustand des Igels und den festgestellten Parasitenbefall abgestimmt werden.

Husten allein ist nicht zwangsläufig ein Notfall. Husten in Verbindung mit einem schlechten Allgemeinzustand sollte jedoch unbedingt ernst genommen werden.

Es ist Spätherbst und ich habe Jungigel mit etwa 200 g entdeckt. Was soll ich tun?

Gerade im Oktober ist die Situation bei sehr kleinen Jungigeln nicht immer eindeutig. Manche Igel werden erst im September geboren und können zu dieser Zeit noch gemeinsam mit ihren Geschwistern unterwegs sein. Der Familienverband besteht in der Regel etwa sechs Wochen, bevor sich die Jungtiere zunehmend selbstständig versorgen müssen.

Werden mehrere kleine Igel gemeinsam gefunden, können sie durchaus noch Wurfgeschwister sein. Besonders in kalten Nächten liegen Jungigel häufig eng beieinander und wärmen sich gegenseitig. Sind die Tiere ansonsten gesund und unauffällig, kann eine unterstützende Fütterung im Garten helfen, damit sie vor dem Winter noch ausreichend Gewicht zulegen.

Besondere Aufmerksamkeit ist jedoch geboten, wenn ein sehr kleiner Jungigel allein und insbesondere tagsüber unterwegs ist. Ein Tier mit etwa 200 g oder weniger kann zu dieser Jahreszeit bereits ausgekühlt oder geschwächt sein. Die aufgenommene Energie wird dann möglicherweise überwiegend dafür benötigt, die Körpertemperatur aufrechtzuerhalten, anstatt an Gewicht zuzulegen.

Ein solcher Jungigel sollte gesichert, vorsichtig gewärmt und zeitnah fachkundig beurteilt werden. Bitte schnellstmöglich Kontakt zu einer Igelpflegestelle oder einem igelkundigen Tierarzt aufnehmen. Je nach Alter und Entwicklungsstand kann eine besondere Versorgung notwendig sein.

Wichtig: Wird ein einzelner sehr kleiner Jungigel gefunden, sollte die nähere Umgebung unbedingt auch nach weiteren Geschwistern abgesucht werden. Häufig befindet sich nicht nur ein Jungtier in Schwierigkeiten.

Im Zweifel lieber einmal mehr fachkundigen Rat einholen, bevor ein sehr kleiner Jungigel sich selbst überlassen wird.

Ich habe Igel-Säuglinge ohne Mutter entdeckt. Was kann ich tun?

Die meisten Igel-Säuglinge kommen zwischen Ende Juli und Anfang September zur Welt. In den ersten Lebenswochen sind sie vollständig auf ihre Mutter angewiesen. Tagsüber befindet sich die Igelmutter normalerweise bei ihrem Nachwuchs im Nest und säugt die Kleinen. Nachts verlässt sie das Nest zur Nahrungssuche und kann dabei – abhängig vom Alter der Jungen – auch längere Zeit unterwegs sein.

Wann brauchen Igel-Säuglinge sofort Hilfe?

Sofortiges Handeln ist notwendig, wenn Igel-Säuglinge:

  • außerhalb des Nestes gefunden werden,
  • offensichtlich nach ihrer Mutter suchen oder laut nach ihr rufen,
  • sich kalt oder unterkühlt anfühlen,
  • von Fliegen umschwärmt werden oder
  • Fliegeneier bzw. Maden aufweisen.

Die Kleinen sollten vorsichtig eingesammelt und umgehend gewärmt werden. Dafür eignet sich beispielsweise eine handwarme Wärmflasche, die mit einem Handtuch abgedeckt wird. Fliegeneier sollten vorsichtig abgesammelt werden.

Anschließend bitte unverzüglich eine erfahrene Igelpflegestelle oder einen igelkundigen Tierarzt kontaktieren.

Bitte nicht eigenständig füttern!

Igel-Säuglinge benötigen spezielle Aufzuchtmilch und eine fachgerechte Versorgung. Kuhmilch ist absolut ungeeignet, da Igel laktoseintolerant sind. Auch Wasser sollte den Säuglingen nicht eingeflößt werden – hierbei besteht unter anderem die Gefahr, dass Flüssigkeit in die Atemwege gelangt.

Die Handaufzucht von Igel-Säuglingen ist sehr anspruchsvoll, zeitintensiv und sollte möglichst von erfahrenen Fachleuten übernommen werden.

Die Säuglinge liegen im Nest, aber die Mutter ist nicht da?

Werden Igel-Säuglinge beispielsweise bei Gartenarbeiten allein in einem Nest entdeckt, bedeutet das nicht automatisch, dass sie verlassen wurden.

Das Nest möglichst nicht weiter stören, nicht zerstören und keinesfalls an einen anderen Ort versetzen. Die Umgebung anschließend verlassen und aus ausreichender Entfernung beobachten bzw. der Mutter die Möglichkeit geben, ungestört zurückzukehren.

In vielen Fällen befindet sie sich noch in der Nähe und kehrt zu ihrem Nachwuchs zurück.

Erst wenn nach etwa zwei Stunden keine Mutter zurückgekehrt ist, sollte fachkundiger Rat eingeholt und gegebenenfalls eingegriffen werden. Sind die Kleinen allerdings bereits kalt, geschwächt, verletzt oder von Fliegen bzw. Maden befallen, sollte nicht abgewartet werden.

Ab wann sind junge Igel selbstständig?

In den ersten Lebenswochen ernähren sich Igel-Säuglinge von der Muttermilch. Sobald sie beginnen, selbstständig feste Nahrung aufzunehmen, werden sie zunehmend zu Jungigeln.

Mit ungefähr vier bis fünf Wochen verlassen sie erstmals das Nest und erkunden dessen nähere Umgebung. Insgesamt werden sie etwa sechs Wochen gesäugt. Mit ungefähr sechs bis sieben Wochen sind die Jungigel schließlich weitgehend selbstständig und nicht mehr auf die Versorgung durch ihre Mutter angewiesen.

Bei Igel-Säuglingen gilt: Im Notfall zuerst wärmen und anschließend schnellstmöglich fachkundige Hilfe kontaktieren – niemals auf eigene Faust mit Kuhmilch oder Wasser füttern.

Darf man Igel mit der bloßen Hand anfassen?

Grundsätzlich ja – es ist nicht verboten, einen Igel anzufassen. Trotzdem sollte man Igel möglichst nicht mit bloßen Händen berühren, außer wenn Hilfe wirklich notwendig ist, etwa bei verletzten, kranken oder geschwächten Tieren.

Gesundheitsrisiken für Menschen

Igel sind Wildtiere und können Parasiten, Pilze oder Krankheitserreger tragen, die auch auf Menschen oder Haustiere übertragen werden können. Dazu gehören unter anderem:

  • Hautpilze (Dermatophyten): Igel tragen relativ häufig Hautpilze, die beim Menschen ansteckende Hautinfektionen verursachen können. Typisch sind juckende, gerötete oder schuppige Hautstellen.
  • Zoonosen: Das sind Krankheiten, die zwischen Tier und Mensch übertragen werden können. Bei Igeln können dazu beispielsweise bestimmte Bakterien wie Salmonellen gehören.
  • Parasiten: Flöhe, Zecken und Milben können vom Igel auf andere Tiere oder in seltenen Fällen auch auf Menschen übergehen.

Das Risiko steigt besonders:

  • bei engem oder häufigem Kontakt,
  • wenn der Igel krank wirkt,
  • bei offenen Wunden oder geschwächtem Immunsystem,
  • und wenn Kinder den Igel anfassen.

Deshalb wird empfohlen

  • möglichst Handschuhe zu tragen,
  • direkten Hautkontakt zu vermeiden,
  • Igel nicht unnötig in Wohnräume zu bringen,
  • Hände und eventuell benutzte Kleidung danach gründlich zu reinigen,
  • Haustiere von aufgenommenen Igeln fernzuhalten.

Wohl des Igels beachten

Auch für den Igel bedeutet Anfassen meist Stress. Wildtiere sollten deshalb nicht aus Neugier hochgehoben oder gestreichelt werden. Ein gesunder Igel, der nachts unterwegs ist, benötigt normalerweise keine Hilfe.

Besonders vorsichtig sollte man bei Jungtieren oder Nestern sein. Werden Jungigel unnötig gestört oder aus dem Nest genommen, kann das die Aufzucht gefährden.

Darf ich ein Igelnest öffnen oder entfernen?

In der Regel nein. Igelnester sollten nicht geöffnet, umgesetzt oder entfernt werden, solange keine akute Gefahr besteht oder keine fachliche Hilfe notwendig ist. Igel sind geschützte Wildtiere und ihre Nester dienen oft als Schlaf-, Winter- oder Aufzuchtplatz.

Warum ein Eingriff problematisch sein kann

Ein Igelnest wirkt von außen oft verlassen, obwohl sich darin ein schlafender Igel oder Jungtiere befinden. Besonders zwischen Frühjahr und Spätsommer können sich darin Muttertiere mit Nachwuchs aufhalten. Wird das Nest geöffnet oder entfernt, können die Jungtiere auskühlen, verhungern oder von der Mutter verlassen werden.

Auch im Herbst und Winter ist Vorsicht wichtig: Winterschlafnester dürfen keinesfalls gestört werden. Ein geweckter Igel verbraucht sehr viel Energie und kann dadurch den Winter nicht überleben.

Rechtliche Aspekte

Igel stehen in Deutschland unter besonderem Schutz. Nach dem Bundesnaturschutzgesetz ist es verboten, wildlebende Tiere ohne vernünftigen Grund zu stören, zu verletzen oder ihre Lebensstätten zu beeinträchtigen. Dazu können auch belegte Nester gehören.

Das bedeutet:

  • Ein Nest darf nicht einfach entfernt werden, nur weil es bei Gartenarbeiten stört.
  • Vor Umgestaltungen sollte immer geprüft werden, ob das Nest tatsächlich unbewohnt ist.
  • Bei belegten Nestern sollten Arbeiten möglichst verschoben werden.

Was tun bei Gartenarbeiten?

Wenn du einen Bereich umgestalten möchtest:

  • prüfe das Nest vorsichtig nur äußerlich,
  • vermeide starke Erschütterungen oder Lärm,
  • führe größere Arbeiten möglichst außerhalb der Hauptaktivitäts- und Brutzeiten durch,
  • lasse ein belegtes Nest möglichst unangetastet.

Im Zweifel sollte eine Wildtierhilfe oder die Untere Naturschutzbehörde eingeschaltet werden.

Was tun, wenn du einen kranken Igel vermutest?

Besteht der Verdacht, dass sich ein verletzter oder kranker Igel im Nest befindet, darf vorsichtig kontrolliert werden – aber nur so schonend wie möglich. Dabei sollte bedacht werden:

  • Muttertiere könnten ihre Jungen kurzfristig alleine lassen,
  • Jungtiere reagieren empfindlich auf Kälte und Stress,
  • unnötiges Öffnen verursacht erheblichen Stress für Wildtiere.

Am besten kontaktierst du vorab eine Igelstation, Wildtierhilfe oder einen Tierarzt mit Wildtiererfahrung. Dort kann man einschätzen, ob ein Eingreifen notwendig ist und wie dabei möglichst schonend vorzugehen ist.

Darf ich einen Igel aus meinem Garten woanders aussetzen?

Nein – in den meisten Fällen solltest du einen Igel nicht einfach einfangen und an einem anderen Ort aussetzen. Igel sind Wildtiere mit festen Revieren und orientieren sich sehr genau in ihrer Umgebung. Ein Umsetzen bedeutet für den Igel großen Stress und kann sogar lebensgefährlich sein.

Rechtlich sind Igel in Deutschland besonders geschützt. Das bedeutet: Sie dürfen nicht ohne vernünftigen Grund gefangen, verletzt oder aus der Natur entnommen werden. Ein bloßes „Nicht-im-Garten-haben-wollen“ reicht dafür normalerweise nicht aus. Besonders problematisch ist es, wenn der Igel weit entfernt ausgesetzt wird oder dort ungeeignete Bedingungen vorfindet.

Außerdem besteht die Gefahr, dass Jungtiere betroffen sind. Vor allem zwischen Frühjahr und Herbst können Igelmütter Nachwuchs in Nestern unter Hecken, Holzstapeln oder Gartenhäusern verstecken. Wird die Mutter umgesetzt, bleiben die Jungtiere oft hilflos zurück und verhungern.

Auch für die Natur ist das Umsetzen problematisch: Igel kennen in ihrem Revier Futterstellen, Verstecke und sichere Wege. In einer fremden Umgebung finden sie sich häufig schlecht zurecht, geraten eher in Gefahr durch Straßenverkehr oder andere Tiere und haben schlechtere Überlebenschancen.

Wenn du möglichst wenig Kontakt mit Igeln im Garten haben möchtest, solltest du stattdessen den Garten weniger attraktiv für sie gestalten – zum Beispiel keine offenen Futterquellen anbieten und unzugängliche Rückzugsorte vermeiden. Wichtig ist aber: Bereits vorhandene Nester oder belegte Unterschlüpfe dürfen nicht einfach entfernt werden, solange Tiere darin leben.

Die Igelhilfe Vorsfelde

Die Igelhilfe Vorsfelde ist eine ehrenamtlich betriebene Pflegestelle aus der Initiative Stachelschutz Wolfsburg. Mit viel Herz, Engagement und persönlichem Einsatz werden hier in der Freizeit hilfsbedürftige Igel aufgenommen, versorgt und auf ihrem Weg zurück in ein gesundes und selbstständiges Leben in der Natur begleitet.

Je nach Situation und vorhandenen Kapazitäten können hilfsbedürftige Igel auch an geeignete Pflege- oder Päppelstellen weitervermittelt werden. So soll für jedes Tier eine möglichst passende Versorgung gefunden werden.

Zur Igelhilfe Vorsfelde entsteht zudem eine Erstversorgungsstelle, an die sich Igelfinder (nach vorheriger Absprache) wenden können, wenn sie unsicher sind, ob und welche Hilfe ein gefundener Igel benötigt. Dort kann der Zustand des Tieres zunächst eingeschätzt und gemeinsam besprochen werden, welche nächsten Schritte sinnvoll sind. Zeigt sich, dass eine weiterführende Untersuchung oder Behandlung notwendig ist, wird entsprechend dazu geraten.

Auch wer einen Igel nach vorheriger Absprache selbst päppeln oder versorgen möchte, kann sich an die Igelhilfe Vorsfelde wenden. Angeboten werden Beratungen rund um die Versorgung und das Päppeln, die Überwinterung sowie die Vorbereitung und Durchführung der Auswilderung. Dabei steht immer im Mittelpunkt, die Bedürfnisse des Igels bestmöglich zu berücksichtigen und eine sichere Rückkehr in die Natur zu ermöglichen.

Die Versorgung der kleinen Stachelpatienten ist mit viel Zeit, Fürsorge und auch finanziellen Aufwendungen verbunden. Neben dem persönlichen und eigenen finanziellen Einsatz helfen freiwillige Spenden dabei, die laufenden Kosten für Futter, Unterbringung, Pflege und notwendige Ausstattung mitzutragen.

Auf der Amazon-Wunschliste finden sich immer Dinge, die aktuell für die Versorgung der Igel benötigt werden. Auch eine Spende über PayPal hilft dabei, die laufende Versorgung und Arbeit der Igelhilfe Vorsfelde zu unterstützen.

Ob groß oder klein – jede Unterstützung zählt und kommt direkt den Igeln zugute. Sie hilft dabei, hilfsbedürftigen Igeln die bestmögliche Chance zu geben, wieder gesund und selbstständig in die Natur zurückzukehren.

Du möchtest mehr erfahren?

Dann schau beim Stachelschutz Wolfsburg vorbei

Wenn du dich intensiver mit dem Schutz des europäischen Igels beschäftigen möchtest, findest du beim Stachelschutz Wolfsburg viele weitere Informationen rund um das Leben, die Pflege und den Schutz von Igeln.

Dort findest du unter anderem weiterführende Informationen zu:

  • Igel päppeln – wie die Pflege eines hilfsbedürftigen Igels abläuft
  • Igel überwintern – wann eine gesicherte Überwinterung notwendig ist und was dabei beachtet werden muss
  • Igel auswildern – worauf es bei einer erfolgreichen Rückführung in die Natur ankommt
  • Igelfreundliche Gärten – wie du deinen Garten sicherer und naturnäher gestalten kannst
  • Gefahren für Igel – z. B. durch Mähroboter, Straßenverkehr oder Pestizide
  • Bauanleitungen – beispielsweise für Futterhäuser oder Schlafmöglichkeiten
  • Patenschaften & Unterstützungsmöglichkeiten – wie du aktiv helfen kannst
  • Informationen über die Arbeit des Teams und den Aufbau einer eigenen Igelstation

Wenn du also über den akuten Fund eines Igels hinaus mehr über nachhaltigen Igelschutz erfahren möchtest, findest du weitere hilfreiche Informationen hier:

Rechtliche Grundlagen

Was erlaubt ist und welche Gesetze gelten

Der europäische Igel ist ein wildlebendes Tier und unterliegt in Deutschland dem Schutz des Bundesnaturschutzgesetzes (BNatSchG). Das bedeutet: Wildtiere dürfen grundsätzlich nicht einfach aus der Natur entnommen oder dauerhaft gehalten werden. Gleichzeitig gibt es gesetzliche Ausnahmen, wenn ein Tier krank, verletzt oder hilflos ist.

§44 Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG)

Allgemeiner Schutz wildlebender Tiere

Das Bundesnaturschutzgesetz schützt wild lebende Tiere vor unnötiger Entnahme aus ihrem natürlichen Lebensraum.

Auszug aus §44 Abs. 1 BNatSchG:

„Es ist verboten, wild lebenden Tieren der besonders geschützten Arten nachzustellen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten...“

Auch wenn der Igel nicht in jedem Fall unter die strengsten Schutzkategorien fällt, gilt grundsätzlich: Wildtiere sollen in ihrer natürlichen Umgebung verbleiben.

Das bedeutet für Finder:

Ein gesunder Igel darf nicht einfach mitgenommen werden, nur weil er tagsüber gesehen wird oder im Garten unterwegs ist.

Gesunde Tiere sollten immer in der Natur bleiben.

§45 Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG)

Ausnahme bei hilfsbedürftigen Tieren

Hier wird die wichtigste Ausnahme geregelt.

Auszug aus §45 Abs. 5 BNatSchG:

„Verletzte, hilflose oder kranke Tiere dürfen aufgenommen werden, um sie gesund zu pflegen.“

Weiter heißt es sinngemäß:

Sobald sich das Tier selbstständig erhalten kann, ist es unverzüglich wieder freizulassen.


Das bedeutet konkret:

Wenn ein Igel:

  • verletzt ist
  • stark geschwächt ist
  • krank wirkt
  • verwaist ist
  • ohne Hilfe nicht überlebensfähig wäre

darfst du ihn sichern und versorgen oder an eine Pflegestelle übergeben.

§1 Tierschutzgesetz (TierSchG)

Das Tierschutzgesetz regelt den verantwortungsvollen Umgang mit Tieren.

Auszug aus §1 TierSchG:

„Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen.“

Das bedeutet:

Wenn ein Igel Hilfe benötigt, darfst du nicht wegsehen.

Gleichzeitig darfst du durch falsche Hilfe keine zusätzlichen Schäden verursachen.

Beispiele:

  • keine Milch geben
  • keine falsche Ernährung
  • keine unsachgemäße Haltung
  • Verletzungen nicht ignorieren

§2 Tierschutzgesetz (TierSchG)

Dieser Paragraph betrifft alle Personen, die ein Tier vorübergehend versorgen.

Auszug aus §2 TierSchG:

„Wer ein Tier hält, betreut oder zu betreuen hat, muss das Tier seiner Art und seinen Bedürfnissen entsprechend angemessen ernähren, pflegen und verhaltensgerecht unterbringen.“

Das bedeutet für Finder:

Wenn du einen Igel kurzfristig sicherst:

  • ruhige Unterbringung
  • Wasser bereitstellen
  • richtige Wärmeversorgung
  • möglichst schnell Experten kontaktieren

Wie wir als Pflegestelle diese Vorgaben umsetzen

Auch wir arbeiten strikt nach diesen gesetzlichen Grundlagen:

  • Wir nehmen ausschließlich hilfsbedürftige Tiere auf
  • Jeder Fund wird individuell geprüft
  • Tiere werden medizinisch versorgt
  • Die Pflege erfolgt nur so lange wie notwendig
  • Nach Genesung erfolgt die Auswilderung

Wir halten keine gesunden Wildtiere dauerhaft in menschlicher Obhut.


Kurz zusammengefasst:

Gesunde Igel bleiben in der Natur.
Hilfsbedürftige Igel dürfen aufgenommen werden.
Nach der Genesung müssen sie wieder ausgewildert werden.

So handeln sowohl Finder als auch wir im Einklang mit Natur- und Tierschutzrecht.

Impressum & Datenschutzerklärung

Igelhilfe Vorsfelde

Verantwortlich für die Inhalte

Pierre Barkofsky
Adlerring 2
38448 Wolfsburg

Kontakt

E-Mail: info@igelhilfe-vorsfelde.de
Telefon: 05363 40606


Hinweis zur Igelhilfe Vorsfelde

Die Igelhilfe Vorsfelde wird privat und ehrenamtlich betrieben und ist kein eingetragener Verein.

Die auf dieser Website bereitgestellten Informationen dienen insbesondere der Information über Igel, deren Schutz sowie die private Hilfe und Versorgung hilfsbedürftiger Tiere.

Hinweise zur Pflege, Versorgung oder Einschätzung eines Igels ersetzen keine tierärztliche Diagnose oder Behandlung. Bei verletzten, schwer erkrankten oder akut hilfsbedürftigen Tieren sollte fachkundige beziehungsweise tierärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden.

Verantwortlicher

Verantwortlich für die Datenverarbeitung auf dieser Website ist:

Igelhilfe Vorsfelde
Pierre Barkofsky
Adlerring 2
38448 Wolfsburg

E-Mail: info@igelhilfe-vorsfelde.de

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Stand: August 2026

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